Filmreif
Hanna Marjut Marttila

ab 12 Jahre


erschienen im Carlsen Verlag

Torsten, 15, hat schon viel Mist erlebt. Und jetzt erzählt ihm seine 16-jährige Schwester Tarina auch noch, dass sie ein Kind bekommt!

Wie will sie das denn versorgen? Auf die Eltern der beiden ist auch kein Verlass, denn die sind Alkoholiker. Verdammte Trinkerei! Torsten denkt viel nach. Über die Probleme der Familie und über seinen großen Traum, das Filmemachen. Aber hat so jemand wie er überhaupt eine Chance?

 

Wie konnte das nun passieren? Torsten (15 Jahre) ist sauer, als ihm seine ein Jahr ältere Schwester mitten in der Nacht eröffnet, daß sie „schon wieder“ schwanger ist. Das erste Mal passierte es ihr mit 14, damals musste sie das Kind hergeben. Seitdem hat Torsten dafür gesorgt, daß überall im Haus Kondome liegen und auch seine Schwester hat überall in all erdenklichen Taschen etc. Kondomvorräte. Wie also konnte das nur passieren?
Und dann auch noch von Kolja, den Torsten als nervigen russischen Blödmann empfindet, der letzte der seiner Meinung nach Vater werden sollte. Da er auf seine Eltern ja nicht zählen kann, beide sind Alkoholabhängig und mehr im Delirium als Nüchtern, nimmt er nun die Sache in die Hand Aber was machen, soll er es Liisa erzählen, der netten Sozialarbeiterin, damit sie es in eine ihrer Statistiken eintragen kann. Alles will gut durchdacht sein, denn: „Lass Dich nie von deinen Gefühlen mitreißen – egal wie stark sie sind! Denk nach, benutz deinen Verstand und handle erst dann – das ist die einzige Art, wie du im Leben durchkommst. So sieht´s aus.“

Die Geschichte um Torsten, den Filmfreak, der gern Regisseur werden möchte, der die Leute beobachtet und daraus Szenen in seinem Kopf entstehen lässt, ist ein Blick in die Welt des sozialen Abseits. Eine Familie, in der die Eltern sich regelmäßig besaufen, die Kinder mehr oder weniger auf sich gestellt sind und eine Sozialarbeiterin als mehr oder weniger guter hilfreicher Engel fungiert.

Der Autorin gelingt es, den Leser in diese Welt eintauchen zu lassen. Durch den gewählten Schreibstil, Torsten als jugendlicher Ich-Erzähler mit all seinen Lieblingsausdrücken, kann der Leser sich gut in den Jugendlichen und seine „Welt“ hineinversetzten. 2/3 des Buches gibt’s Torstens Gedankenwelt wieder, er lässt Szenen ablaufen, beschreibt Situationen genau und zerstückelt die Abläufe. Das alles macht das Buch sehr spannend und abwechslungsreich.

Der finnische Roman birgt starke Charaktere, deren Probleme sicher nicht alltäglich, aber dennoch „leider“ häufig in sozialschwachen Familien anzutreffen sind. Das Buch zeigt einem auf, daß trotz all dieser problembeladenen Fassade Menschen leben, die nicht viel anders sind als Du und ich. Menschen mit Träumen und der Bereitschaft etwas dafür zu tun, daß eben alles läuft wie es eigentlich sollte... So sieht´s aus.

Da bleibt mir nur zu sagen: „Behandle jeden Menschen so, wie Du selbst behandelt werden möchtest.“

 

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