Mein Herz so wild
Jane Eagland

ab 14 Jahre

Roman, dtv premium
Aus dem Englischen von Ingrid Weixelbaumer
Deutsche Erstausgabe, 448 Seiten
ISBN 978-3-423-24839-6

Ein Kampf um Freiheit und Liebe

Je nachdrücklicher die 17-jährige Louisa ihre geistige Gesundheit beteuert, desto weniger glaubt man ihr - und desto schlimmer wird ihre Situation. Denn Louisa ist in einer Irrenanstalt gelandet. Warum, kann sie nur ahnen. Weil sie anders ist? Weil sie als Mädchen einen Beruf erlernen will - was im viktorianischen England einem Sakrileg gleichkommt. Und wer steckt hinter ihrer Einweisung? Diese Ungewissheit und die demütigenden Schikanen zermürben Louisa. Wäre da nicht die junge Pflegerin Eliza, würde Louisa sogar an Selbstmord denken.

 

Ende des 19. Jahrhunderts in England: Louisa Cosgrove hat einen für die damalige Zeit sehr gewagten Wunsch. Sie möchte Ärztin werden genau wie ihr Vater. Dieser freut sich und unterstützt ihren Wunsch, indem er sie mit zu Patientenbesuche nimmt. Doch schließlich ist es ihr Bruder, der nach London geht und dort studiert um Arzt zu werden. Als ihr Vater auch noch stirbt, beginnt für Louisa ein Alptraum. Der einzige Mensch, der ihren Wunsch gutgeheißen hat ist nicht mehr da. Als sie sich schließlich ein Herz fasst und zu ihrem Bruder nach London reist, um diesen zu bitten, daß er ihr die Erlaubnis geben möge, daß sie Ärztin werden darf, ist dieser alles andere als begeistert. Er hat ganz andere Pläne mit ihr, sie soll ihren Cousin William bezirzen und heiraten.

Doch was keiner ahnt, Louisa kann mit Männern nichts anfangen. Bei einem Besuch ihrer Tante kommt es zu einer folgenschweren Auseinandersetzung, welche schlimme Folgen hat. Als ihr Bruder eines Tages einen Freund mit nach Hause bringt, ahnt Louisa nicht, was für Bruder im Schilde führt. Als er ihr eröffnet, daß ihre Mutter sich vernachlässigt fühle und lieber eine Gesellschafterin hätte als ihre Tochter, ist Louisa tief verletzt. Ihr Bruder schlägt ihr vor, daß sie als Gesellschafterin für die Schwester seines Freundes fungieren könnte und schickt sie zu den Wellingworths. Dort kommt Louisa jedoch nie an. Sie findet sich auf Wildthorn Hall wieder, einer Anstalt für geistig Verwirrte. Und nicht nur das, alle wollen ihr einreden sie sei Lucy Childs und geisteskrank. Wir es Louisa gelingen zu fliehen?

Das Buch ist ein emotional sehr tiefgründiges Buch, welches viel von der damaligen Zeit wiederspiegelt. Man erfährt, was die eigentliche Rolle der Frau war, nämlich Heiraten, Kinder bekommen, dem Mann zu willen sein, ihn in allem was er tut zu unterstützen und den Haushalt zu führen. Mehr nicht! Die Protagonistin Louisa will das alles aber nicht, sie wiedersetzt sich dem Idealbild und hat sich in den Kopf gesetzt Ärztin zu werden. Louisa ist eine starke Frau, deren Willen unterbrochen von kurzen Tiefpunkten ungebrochen scheint.

Jane Eagland hat das Buch unterteilt. Im ersten Teil arbeitet sie mit Rückblicken in die Vergangenheit, welches dem Leser mit jedem neuen Einblick in Louisas vorheriges Leben mehr Informationen preisgibt und die Situation verständlicher macht. Das finde ich sehr interessant, da man nicht von Anfang an sofort alles über Louisa weiß und erst nach und nach erfährt was für ein Louisa eigentlich ist. Auch der gewagte Start des Buches, nämlich direkt mit der Fahrt zur Anstalt und dann erst der erste Rückblick finde ich gelungen. Es macht neugierig, denn man will als Leser sofort wissen, warum eine völlig junge Frau, die völlig normal zu sein scheint in eine Irrenanstalt gesteckt wird. Nach und nach lernt der Leser das Anstaltsleben kennen, von der zweiten (noch sehr komfortablen) Station bis hin zur fünften Station (der grausamsten, auf der die Irren festgekettet auf einer schmutzigen Matratze ihr Dasein fristen). 

Das Jugendbuch ist durchaus auch für Erwachsene ein sehr interessantes und bewegendes Buch. Die Autorin versteht es mit der Sprache zu arbeiten und hält die Spannung bis kurz vor Ende. Denn erst dann wird die ganze schreckliche Wahrheit aufgelöst. Wer Louisa überhaupt in die gebracht hat und mit welchen erschreckenden und „lächerlichen“ Motiven gearbeitet wurde. Allerdings merkt man auch das es ein Buch für Jugendliche ist, da im Erzählstil und mit wenig mit Ausschmückungen gearbeitet wurde. Louisa erzählt ihre Geschichte quasi so wie sie es erlebt, einfach und direkt. Und ich finde, daß ist gut so!

Ich danke dem dtv für dieses sehr bewegende und interessante Rezensionsexemplar!

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