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Dornenherz
Jedem Ende wohnt ein Anfang inne
Jutta Wilke

Ab 14 Jahre

Coppenrath Verlag
Erschienen: Januar 2014
ISBN: 3649613700

Ein Jahr ist es her, seitdem Anna´s Schwester gestorben ist. Bei einem Unfall an dem Anna sich die Schuld gibt. Seither versucht Anna weiterzumachen, sie hat sich auf eine Beziehung mit Leon eingelassen, der ehemalige Freund ihrer verstorbenen Schwester. Doch ist das richtig? Die Eltern möchten das gern und deshalb versucht sie Ruth zu ersetzen, doch die merkt immer mehr, dass das nicht möglich ist.
In ihrer Verzweiflung widmet sie sich wieder dem Zeichnen. Auf einem alten Friedhof bemerkt sie eine Katze und als sie ihr folgt, gelangt Anna in einen verlassenen Teil des Friedhofs, dessen Gräber jahrhundertealt scheinen. Mitten auf einer Lichtung erblickt sie eine Engelsstatue zu deren Füssen ein Meer weißer Rosen erblüht, doch wie kann das sein, wenn sonst alle Gräber von Efeu überwuchert sind. Wer pflegt dieses Grab, als Anna sich dem Grab nähert, um zu sehen, wem dieser Engel gewidmet ist, passiert etwas, was ihrem Leben eine ganz neue Wendung gibt.

Buchrückentext: „Heute vor einem Jahr habe ich gelernt, dass man sterben kann, ohne tot zu sein. Obwohl ich in sicherer Entfernung stand, das offene Grab nur von Weitem sah, fühlte ich, wie die feuchte Erde mich nach und nach einhüllte. Wie ich nach und nach unter ihr verschwand und mit mir meine Träume, meine Sehnsüchte, meine Wünsche.

Heute vor einem Jahr haben sie meine Schwester begraben. Und mich gleich dazu.“

Bereits dass Cover des Buches mit dem durchsichtigen, bedruckten Schutzumschlag hat mich von Anfang an, sehr angezogen. Auf dem Schutzumschlag ist ein Engel aufgedruckt, der das Spiegelbild zum Engel auf dem Cover bildet. Nimmt man den Schutzumschlag ab, kommt neben dem Engel auch noch eine Katze zum Vorschein. Sie spielt in der Geschichte eine wichtige Rolle. Das Buch ist mit weißen Rosenranken verziert, und in mintgrün gehalten. Ich finde es sieht einfach nur wunderschön aus.


Dieses Buch ist ein Jugendbuch mit einer Geschichte, welche tiefe Gefühle weckt und einen zum Nachdenken anregt. Jutta Wilke erzählt die Geschichte des Mädchens Anna, deren Schwester Ruth stirbt und die nunmehr versucht mit den Schuldgefühlen fertig zu werden. Aus ihrer Verzweiflung heraus,  versucht Anna den Platz der Schwester einzunehmen und ihren Eltern und dem ehemaligen Freund von Ruth, diese zu ersetzen. Dass so etwas nicht richtig sein kann ist klar, aber Anna, weiß nicht, was sie sonst tun könnte, denn sie fühlt sich leer und erstarrt. Erst als sie wieder mit dem Zeichnen beginnt und eine schicksalhafte Begegnung ihre Gefühlswelt und ihr ganzes Denken ins Wanken bringt beginnt Anna wieder zu leben und sie merkt, dass sie Ruth nicht ersetzen kann und dass sie ein eigenständiger Mensch sein muss, um endlich wieder glücklich zu sein.

„Dornenherz“ hat mich sehr berührt, zumal Jutta Wilke es schafft, die Protagonistin sehr authentisch wirken zu lassen. Anna ist ein Mädchen, welches große Schuldgefühle hat und deshalb versucht sich dem Willen der Eltern zu beugen. Schrecklich finde, ich das Wollen der Eltern, dass Anna, Ruth´s Platz einnehmen soll. Auch wenn sie in ihrer Trauer nicht anders können, so finde ich es doch sehr egoistisch.

Schön zu sehen ist, dass die anfänglich sehr in sich gekehrte, von Schuldgefühlen geplagte und ängstliche Anna während der Geschichte eine Wandlung durchmacht, die sie wieder zu sich selbst finden lässt, denn Anna ist eigentlich eine sehr starke, eigenständige Person, die sich nur nach einem Halt zu sehen scheint, nach jemandem, der sie so nimmt wie sie ist und ihr nicht die verstorbene Schwester sieht.

Das Buch wird in zwei Erzählsträngen erzählt, zum einen ist da der Rückblick in eine vergangene Geschichte, die mit Anna´s eng verknüpft ist. Dies erschließt sich dem Leser aber erst nach und nach. Der zweite Erzählstrang ist die Geschichte von Anna, welche in der Gegenwart spielt. Die Wandlung, die Anna während der Geschichte durchmacht, wurde von der Autorin sehr authentisch rübergebracht, so dass man als Leser sich gut in Anna hineinversetzen und ihren Zwiespalt gut nachvollziehen kann.

Die Autorin schafft es perfekt, die beiden Geschichten miteinander zu verknüpfen, auch wenn am Ende des Buches ein paar Fragen offenen bleiben. Man fragt sie zwangsläufig warum die Namensgleichheit und ob es so was wie das Schicksal gibt, welches sich immer wieder zu wiederholen scheint oder oder oder... Und dennoch, trotz der vielen für mich noch offenen Fragen, erscheint mir der Schluss des Buches richtig so wie er ist.

Schön finde ich, dass jedem Kapitel zu Beginn ein Rosengedicht voransteht und dass ich nun nachdem ich das Buch gelesen habe, auch die Legende/Sage kenne, warum es rote Rosen gibt.
Eine wunderschöne Liebesgeschichte, deren Inhalt, der Verlust eines geliebten Menschen, das Hinwegkommen darüber und das “wieder-zu-sich-selbst-finden“ ist. Wer gern tiefgründige und romantische Jugendbücher liest, dürfte mit diesem Buch sehr gut bedient sein.

Ein wunderschönes Jugendbuch - innen wie außen!

Kommentare  

 
0 #1 bibilotta 2014-03-01 18:02
Das klingt wirklich sehr emotionsgeladen , eine wirklich schöne rezi von dir, die einem das Buch schmackhaft macht :-)
LG bibi
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