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Die Welt ist kein Ozean
Alexa Hennig von Lange

ab  14 Jahre

cbt Verlag
erschienen: Juli 2015
ISBN: 3570162966

Franziska, fast 17,  wächst sehr wohlbehütet auf, zu sehr, wie sie empfindet. Ihr Vater ist Staatsanwalt und ihre Mutter mit ganzem Herzen Hausfrau und Mutterglucke. Ihre große Schwester Sina ist neben ihrer besten Freundin Nelli, ihre engste Vertraute.

In Kürze hat Franzi ein wichtiges Klaviervorspiel, welches ihr zu ihrem großen Traum verhelfen könnte, ein Jahr selbstbestimmt im Ausland zu leben und Musik zu studieren.
Doch vorher will Franzi noch ein zweiwöchiges Praktikum absolvieren. Dabei hat sie sich eine Nervenheilanstalt für Jugendliche ausgeguckt, in der sie als Praktikantin arbeiten möchte.

Als sie dort ankommt, stellt sie schnell fest, dass dieser Ort so ganz anders ist, als sie es sich vorgestellt hat. Sie fühlt sich wie Alice im Wunderland, die in eine fremde Welt, mit ganz eigenen Regeln und Werten eintaucht. Schnell merkt sie, dass die Kinder und Jugendlichen hier mit schweren Erlebnissen und Traumata zu kämpfen haben.

Dabei trifft sie auch auf Tucker, 18 Jahre, der durch ein schweres, traumatisches Erlebnis seine Sprache verloren hat. Niemand scheint an ihn heranzukommen. Er lebt in seiner eigenen Welt und das am liebsten tief unter Wasser, da wo niemand an ihn rankommen kann. Doch Franzi gibt nicht auf und ist fest entschlossen Tucker ins Leben zurückzuholen, koste es was es wolle, denn Tucker hat ihr Herz berührt ...

Bereits das Cover dieses Buches hat mich sehr angesprochen, da es sehr energisch und dynamisch daherkommt. Ein Mädchen mit roten, windzerzausten Haaren  steht, den Kopf emporgehoben zu eine riesige, sie in Kürze verschlingende Welle, ganz ruhig da, so als wisse sie, dass ihr dennoch nichts passieren kann. Im Hintergrund liegt das Meer ganz ruhig und die Sonne glitzert auf den sanften Wogen. Dazu der mit einem pinken Band unterlegte Schriftzug/Titel, der so gar nicht dahin zu passen scheint. Ein sehr widersprüchliches Cover, welches in mir vom ersten Blick an, das Interesse geweckt hat, das Buch zu lesen.

Und ich  muss sagen, dieses Cover spiegelt das Buch bestens wieder! Die Protagonistin Franzi ist ein sehr willensstarkes, durchsetzungsfähiges, wenn auch emotionales und bedachtes Mädchen, dass nur selten Sachen nicht hinterfragt. Sie versucht mit großer Sanftheit an Tucker heranzukommen und schafft es auch, was alle Fachärzte und Schwestern vor ihr nie für möglich gehalten hätten. Tucker beginnt sich ihr zu öffnen, das Wunder geschieht ... (mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, aber es wird sehr emotional, zumindest habe ich das so empfunden.) Jetzt steht Franzi allerdings vor der Entscheidung ihres Lebens, soll sie ins Ausland gehen und ihren einstmals größten Traum in Erfüllung gehen lassen oder bei Tucker bleiben, dem Jungen der ihre Hilfe mehr als alles andere braucht? Keine leichte Entscheidung – wird sie die Richtige treffen?

Die Autorin schafft es sehr gut Gefühle und Emotionen in Worte zu packen, die den Leser mitreißen und es einem leicht machen, sich in die Protagonistin hineinzuversetzen. Auch wenn ich an manchen Stellen schon gedacht habe, dass Franzi zu viel in zu kurzer Zeit erwartet. Die Charaktere um Franzi und ihre Familie als auch ihrer Freundin Nelli wurden sehr gut herausgearbeitet und man konnte einen guten Eindruck von den Personen bekommen. Allerdings fehlte mir ein wenig der Hintergrund von Tucker, man bekommt zwar im Laufe des Buches mit, welches Erlebnis ihn hat verstummen lassen, aber so richtig greifbar wird sein Charakter dennoch nicht. Hier hätte ich mir etwas mehr Informationen gewünscht. Auch was die Arbeitsweise und den Alltag in der Klinik angeht, so hätte man hier noch mehr herausholen können, um der Liebesgeschichte um Tucker und Franzi einen vollkommeneren Rahmen zu geben.

Sehr schön beschrieben fand ich die Beziehung Franzi´s zu ihrer besten Freundin Nelli. Ihre gemeinsamen Unternehmungen und deren Gespräche über Jungs etc., lockern die Geschichte auf und geben dem Buch die nötige Prise jugendlichen Alltag.

Es macht Spaß dieses Buch zu lesen und der Schreibstil der Autorin ist dabei sehr flüssig und leicht zu lesen, so dass ich das Buch in nur zwei Tagen verschlungen habe.  Ich denke, dass viele weibliche, jugendliche Leser sich gut in Franzi hineinversetzen werden können und mit ihr mitfiebern. Das Lesealter von 14 Jahren halte ich daher auch für sehr geeignet.

Die Geschichte zeigt auf, dass in der Liebe nichts unmöglich zu sein scheint und man für das Glück kämpfen muss und auch, dass jeder Mensch mit Problemen anders umgeht, es dabei aber kein richtig oder falsch gibt. Dinge passieren, das Leben ändert sich ständig und Wendungen sind genau wie einem Buch oftmals unvorhersehbar.

Ein sehr jugendliches Lesevergnügen, welches den Leser nachdenklich und irgendwie auch dankbar zurücklässt.

P.S. Dennoch möchte ich nicht ungesagt lassen, dass das Buch vor allem auf die Liebe zwischen Tucker und Franzi sowie deren Beziehungen zu ihrer Familie und Nelli abzielt. Dadurch wirkt nüchtern betrachtet, der Aspekt um die Krankheitsgeschichte und Heilung Tuckers (welche, auf einmal recht rasch und etwas zu einfach voranschreitet) etwas unglaubwürdig und einfach gehalten. Hier hätte ich mir persönlich mehr Tiefgang und Ernsthaftigkeit gegenüber einer solch weitreichenden und ernsten Krankheit gewünscht. Dies aber nur nebenbei.

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