Die Stille nach dem Schrei
Isolde Sammer

rororo
ISBN: 978-3-499-23570-6
Erschienen am 01. September 2010
448 Seiten

Irenes Leben wird zum Albtraum, als ihr Sohn Jonas gewaltsam ums Leben kommt. Der Täter: Irenes siebzehnjähriger Stiefsohn Martin. Die Tat: im Affekt.

Angeblich wurde Martin Zeuge, wie Jonas einen kleinen Jungen ermordete. Auch behauptet Martin plötzlich, von seinem eigenen Vater jahrelang missbraucht worden zu sein. Das Gericht spricht Martin frei, doch Irene zweifelt an seiner Version. Sie will die Wahrheit um jeden Preis herausfinden. Erst recht, als Martin die Abiturientin Tina in seinen Bann zieht. Denn Irene ahnt, wozu ihr Stiefsohn fähig ist ...

Das Buch handelt von Martin, der verdächtigt wird seinen Bruder und einen weiteren Jungen sexuell missbraucht und ermordet zu haben.
Als er vor Gericht aber angibt seinen drei Jahre jüngeren Bruder im Affekt getötet zu haben, weil er diesen in einer Scheune entdeckt habe, als dieser gerade einen anderen Jungen sexuell missbrauch und bestialisch ermordet hatte, wird ihm geglaubt. Als Grund für die Tat (daß er seinen Bruder erschlug), gibt er an, daß er als Kind selbst von seinem Vater sexuell missbraucht worden sei. Er wird aus Mangel an Beweisen vom Gericht freigesprochen. Martin kehrt in das Haus seiner Stiefmutter zurück, die jedoch ganz und gar nicht an seine Unschuld glaubt.

Die zweite Protagonistin in diesem Buch ist Tina, sie verliebt sich in Martin, während dieser noch im Gefängnis sitzt und ist von seiner Unschuld überzeugt. Sie hält sich immer wieder vor Martin´s Haus auf, bis dieser schließlich auf sie aufmerksam wird und sich mit ihr trifft. Tina ist Martin vollkommen hörig. Doch interessiert er sich wirklich für sie oder hat er es auf ihren kleinen Bruder abgesehen? Als Tina klar wird, was Martin wirklich im Schilde führt, bleibt ihr nur noch ein Ausweg...

Die Autorin hat das Buch geschickt in zwei Handlungsstränge geteilt und wieder zusammengefügt. Tina erzählt ihren Teil der Geschichte aus der Ich-Perspektive, während Martin´s Part mehr dem normalem Erzählstill zugetan ist. Das macht das ganze Buch sehr abwechslungsreich und gibt tiefe Einblicke in beider Lebens-, Denkweisen und Gefühlswelten. Alle Charaktere sind hervorragend ausgearbeitet und sehr gut beschrieben. Der Leser kann sich sehr gut in die einzelnen Personen hineinversetzen, sei es nun Irene, die ständig zweifelnde Stiefmutter oder auch Martin oder Tina.

Isolde Sammer nimmt auch bei den pikanten und sehr grausamen Stellen kein Blatt vor den Mund. Sie schildert die Taten, sowie die sadistische Gedankenwelt Martins bis ins Detail und das mag für sensible Leser nicht gerade einfach zu schlucken sein. Aber abgesehen von der Brutalität der geschilderten Taten ist dieses Buch ein wirklich hervorragend ausgearbeiteter Psychothriller, der nicht nach Schuld oder Unschuld sucht, sondern vielmehr das Warum ins Auge fasst. Wie konnte es zu einer so grausamen Tat kommen und wer trägt die Schuld daran?

Auch wenn man als Leser sofort ahnt, wer der Täter ist, so bleibt man doch aufgrund der weiteren Personen und derer Bedeutungen während des Lesens ständig in Anspannung. Man atmet nicht auf, weil man nun weiß wer es war, nein man versetzt sich automatisch in jede Person und hinterfragt deren Handeln und Tun (z.B. Warum ist Tina so naiv und merkt nicht, was wirklich passiert?). Spannung pur ... bis zum Ende!

Isolde Sammer ist eine erfolgreiche Drehbuchautorin für Krimiserien u.a. für Tatort. Mit „Die Stille nach dem Schrei“ ist ihr ein wirklich toller Debütroman gelungen.