GRAUES LAND
Michael Dissieux

Luzifer Verlag, 2012
ISBN:3943408035

Endzeit-Thrill der Extraklasse!

Was, wenn Du eines Tages aufwachst und feststellst, daß die Welt sich weitergedreht hat? Alles ist von grauem Schleier überzogen, es herrscht völlige Stille, kein Laut dringt an dein Ohr... eine Welt ohne Farbe, ohne Geräusche... das ist es was Harvey wiederfährt. Von einem Moment zum nächsten ist nichts mehr wie es war. Die Welt ist aus den Angeln gehoben und es gibt nur eines was Dich am Leben hält...


Es beginnt mit dem Ausfallen des Fernsehprogramms, Harvey hatte die Nachrichten gesehen, als der Strom ausfiel. Dort wurde von einer Katastrophe berichtet, die Rentner Harvey sich noch nicht auszudenken vermag. Nichts ist mehr wie es einmal war, das stellt Harvey schnell fest. Der Zeitungsjunge Daryll mit seinem Fahrrad, der ihm immer zuverlässig die Zeitung brachte, ob er noch lebt? Der Fernseher stumm, kein Strom mehr und bald gehen die Essenvorräte zu Ende. Des Nachts schleichen schreckliche Kreaturen um die Häuser und selbst am Tag kann man sich nicht sicher sein, ob nicht irgendwo noch eine davon versteckt lauert.


Doch anstatt den Kopf in den Sand zu stecken und zu resignieren, zeigt der alte Harvey eine Stärke, die jeden Helden in den Schatten stellt. Mutig stellt er sich den Problemen und versucht herauszufinden was auf der Welt vor sich geht. Ebenso pflegt er weiterhin mit Hingabe seine demenzkranke Frau Sarah, die er seit ihrer ersten Begegnung innigst liebt.


Für sie will Harvey durchhalten, er hält sich an dem Gedanken fest, daß er und seine Frau diese schreckliche Martyrium überleben werden. Egal was noch kommen mag...
 
Michael Dissieux hat einer neuen Dimension von Endzeit-Thrillern den Weg geebnet, die leise und ehrlich daherkommen. Ohne großes Tamtam erschafft er eine Stimmung, die von beänstigender Natürlichkeit zeugt, gerade so, als könne das jeder Zeit auch uns passieren.
 
Geradlinig und ehrlich erzählt er eine Weltuntergangs-Geschichte aus Sicht eines alten Mannes, die mich bereits nach nur ein paar Seiten in ihren Bann gezogen hat. Indem er einen Protagonisten geschaffen hat, der ohne Heldenstatus auskommt und der dennoch zu überzeugen weiß, zeigt der Autor das es auch anders geht. Harvey, ein alter Mann dem das Leben bisher schon nicht leicht mitspielte, dessen Frau schwer dement ist und der sich doch seinem Schicksal ohne großes Murren fügt. Einem Mann der sein Leben eigentlich schon gelebt hat und dennoch nicht aufgibt, der neben all dem auch noch dem Weltuntergang die Stirn zu bieten weiß und sich nicht unterkriegen lässt. Das macht einen wahren Helden aus.
 
Die Geschichte wird erzählt von Harvey selbst, dabei gestattet er sich auch an die Vergangenheit zurückdenken, bevor die Welt sich weitergedreht hat. Man erlebt Harveys Alpträume und Ängste hautnah mit. Das Buch besitzt eine so durchdringende Tiefe, der man sich nicht zu entziehen vermag. Der Autor bedient sich am Leben Harveys selbst, ohne dabei große Ausbrüche zu wagen. Im Großteil der Geschichte handelt sich alles um Harveys Lebens- und Gedankenwelt, ohne viel auf die Welt außerhalb einzugehen. Er weiß damit umzugehen, neben dem Endzeitszenario auch noch andere Themen mit in die Waagschale zu werfen, allen voran, Liebe, Überlebenswillen und Zuversicht – all das ergibt ein Buch welches den Leser Schauer über den Rücken jagt, ihn innehalten und durchatmen lässt und dennoch packend umklammert hält. Der Autor bleibt seiner Linie bis zum Schluss treu, er schmückt nichts aus, sondern legt den Fokus auf die natürlichen Begebenheiten aus dem Leben den Protagonisten. Gerade diese direkte Schreibweise, mit der man sich als Leser unheimlich gut in den Protagonisten hineinversetzen kann, macht das Buch so packend und lässt einen lange Zeit nicht wieder los.
 
Fazit: Ein Buch, welches ich allen Lesern empfehlen möchte, die sich nicht von einer gradlinigen, ruhigen Geschichte abschrecken lassen, in der eben kein Held sein Dasein fristet. Wer sich auf das Buch einlässt, kann hier seinen ganz persönlichen Endzeithorror erleben. Ich sage nur, was wäre wenn?