Papa hat Dich lieb
Gerd J. Merz


Krimi zum Thema Kindesmissbrauch

Leinpfad Verlag
Erschienen: Dezember 2013
ISBN: 3942291495

Eva ist außer sich, ihre beste Freundin Angelika ist spurlos verschwunden und die Polizei tut nichts. Als sie auch noch Angelikas Mofahelm bei der Klavierlehrerin findet, begibt sie sich selbst auf die Suche. Doch das, hätte sie besser nicht tun sollen, denn nun wird auch sie Opfer eines perfiden Plans. Der Täter will Genugtuung und dafür braucht er beide Schülerinnen...
Verzweifelt begibt sich nun auch die Mutter von Eva Maike Berger zusammen mit einem PC-Freak auf die Suche nach den beiden und wird schon bald fündig. Sie kommt einem schrecklichen Familiendrama auf die Spur, der seinen Ursprung im Kindesalter des Täters findet ...


Vorab möchte ich sagen, dass ich das Buch wirklich spannend als auch berührend fand. Bereits das Cover, wofür ein Kinderbild gewählt wurde, stimmt mich traurig und wütend. Man sieht dem Bild an, dass die Malerin schrecklich Qualen erleidet haben muss. Der Mann/Vater ganz in schwarz dargestellt mit etwas rot in der Lendengegend (!) und daneben ein blondes weinendes Mädchen, erscheint mir sehr authentisch und für das Thema sehr gut gewählt.

Anfänglich schienen mir die beiden Erzählstränge so, als wären sie zwei Geschichten und ich dachte schon, wie passen die wohl zusammen. Erst im letzten Drittel wurde mir richtig bewusst, was beide Stränge miteinander zu tun haben. Bis dahin tappte ich im Dunkeln.
Der Autor weiß wie man unerwartete Wendungen einbringt, so bleibt die Geschichte bis zum Schluss spannend.

Die beiden Erzählstränge erzählen anfänglich zwei Geschichten, zum einen wird durch alte Kassettenmitschnitte aus der Vergangenheit des Mädchens Klara, der sexuelle Missbrauch durch den Vater geschildert. Diese Stellen (nur 4 mal im Buch) fand ich sehr mitreißend und authentisch. Der zweiten Erzählstrang beginnt mit Angelikas Verschwinden und erzählt davon wie ihre Freundin Eva sich auch die Suche macht.

Die Handlungsstränge die im Verlaufe des Buches zusammenfinden, ergeben ein sehr interessantes und spannungserzeugendes Leseerlebnis. Zum einen war ich schockiert von Klaras Schilderungen und fand den zweiten Erzählstrang anfänglich eher etwas langatmig, da erst Angelika, dann auch noch Eva verschwinden. Zwar weiß man als Leser recht schnell, was es damit auf sich hat, ist aber umso verwunderter, dass weder die Polizei als auch noch die Eltern sich große Mühe geben die Kinder zu finden. Einzig die Mutter von Eva begibt sich wirklich auf die Suche wobei auch sie mir viel zu emotionslos/ruhig dargestellt wurde. Ich könnte in so einer Situation wohl weder Schlafen noch Essen noch an sonst was denken, aber gut.

Die Figuren sind aber dennoch gut durchdacht, komplex und fügen sich auch gut in den Krimi ein. Die Geschichte selbst wirkt authentisch und könnte tatsächlich so oder so ähnlichen passiert sein. Als Leser wird man sehr überrascht sein, wer, letztendlich hier Opfer und wer Täter ist. Dabei hat mich vor allem beeindruckt, zu welchen Gedankengängen und Handlungen das Opfer bereit ist, um selbst, wenn auch auf ganz andere Weise Täter zu werden. Aber ich möchte nicht zu viel verraten.

Gerd J. Merz hat einen spannenden Krimi geschaffen, welcher als Kernpunkt das sehr emotionale sowie schreckliche Thema Kindesmissbrauch beinhaltet. Für die Recherche hat er mehrere Jahre benötigt und ich denke, dass merkt man dem Buch auch an. Man merkt, dass der Autor durchaus zu wissen scheint, wovon er da schreibt. Dazu trägt bestimmt auch seine Tätigkeit als Berater am Opfertelefon des Weißen Rings.
Ein sehr realistisch wirkender und auch wirklich lesenwerter, spannender  Krimi zum Thema Kindermissbrauch!