KINDER
Jürgen Seibold
Psychothriller


Piper
Erschienen: März 2012
ISBN: 3492273076

Familie Pietsch lebt harmonisch und glücklich mit ihren drei Kindern Sarah (14 Jahre), Michael (12 Jahre) und Lukas (11 Jahre) in der Nähe von Stuttgart. Als das neue Schuljahr beginnt, kommen zwei neue, eigenartig anmutende Lehrer ans städtische Gymnasium, welches alle drei Kinder der Familie Pietsch besuchen. Zwei der Kinder bekommen die neuen Lehrer, das Ehepaar Moeller, als Klassenlehrer.

Die Lehrer verfolgen ganz eigene Lehrmethoden machen Druck auf die Schüler und versuchen sie  zu Bestleistungen zu treiben, die einige nicht zu leisten vermögen. Aber nicht nur das, sie stellen einzelne, ihnen unliebsame Schüler regelrecht bloß, machen sie lächerlich, demonstrieren ihre Macht und schüren Missgunst, der in regelrechten Mobbingattacken endet. Das Ehepaar Pietsch merkt schnell, dass das die Methoden der Moellers ganz und gar nicht harmlos sind und diese keineswegs nur auf die Leistungssteigerung der Schüler bedacht sind. Doch die anderen Lehrer und auch die Eltern sind zunächst begeistert von den neuen Lehrern, denn die Kinder hören plötzlich zu, folgen dem Unterricht und sind fleißig. Nach und nach wird der Ton unter den Schülern rauer und zunehmend aggressiver ...


Jürgen Seibold  beginnt sein Buch mit dem Nebenstrang und einem Mord, bevor er zur eigentlichen Geschichte und dem Haupterzählstrang kommt, in dem es um die Familie Pietsch, deren Kinder und das städtische Gymnasium geht. Dort tritt das Lehrerehepaar Moeller als neue Lehrer der Schule ihren Dienst an. Diese sind sowohl optisch auch als in ihren Handlungsweisen als seltsam einzustufen. Ihre Lehrmethoden scheinen sehr erfolgreich zu sein, da es nicht lange dauert, bis wirklich fast alle Kinder alles tun, was von Ihnen verlangt wird, ohne nachzufragen. Dabei bleibt dem Leser verborgen, welche Lehrmethoden die Moellers anwenden und wie sie diesen bedingungslosen Gehorsam der Schüler erreichen, der fast schon bis zur „Verehrung“ geht. Dies war für mich ein kleines Manko, da ich doch gern mehr über die eigentlichen Methoden erfahren hätte.

Dennoch ist die Geschichte so spannend erzählt, dass ich das Buch schnell beendet hatte und Freude beim Lesen verspürte. Es passiert aber auch sehr viel in der Geschichte, den Kinder stößt so einiges Schlimmes zu und ein Kind kommt sogar zu Tode. Dabei ist dem Leser sofort klar, da haben die Moellers die Finger im Spiel. Dennoch sind sowohl der Rektor als auch die Eltern der anderen Schüler von den Lehrmethoden der Moellers angetan. Für Familie Pietsch, die neben der Mutter des Toten Schülers als einzige gegen die Moellers vorgehen wollen, wird es derweil sehr brenzlig und auch gefährlich. Die Familie steht mehrmals vor einer Zerreißprobe und anstatt miteinander zu reden, ziehen sie sich voneinander zurück. Da wird dem Leser klar, wie schnell so ein Familienidyll doch Platzen kann, vor allem wenn man nicht miteinander spricht.

Die Geschichte des Nebenstrangs (wird stets kursiv abgedruckt) erschließt sich dem Leser erst mit der Zeit, es stellt quasi eine Rückblende dar - mehr möchte ich aber dazu nicht verraten. Nur so viel, über diese Organisation hätte ich gern noch mehr erfahren.

Die Erzählweise des Autors ist hierbei manchmal etwas holprig, denn den Dialogen fehlt es ein wenig an Flüssigkeit. Die Kinder drücken sich manchmal etwas sehr gewählt, nicht wirklich altersentsprechend aus und auch die ein oder andere Ungereimtheit ist im Buch zu finden. Dennoch finde ich die Geschichte spannend und interessant, denn die Idee eines sektenanhängendes Lehrerehepaars, welches Kinder unterrichtet macht mir als Mutter schon eine Gänsehaut. Von daher fand ich die Story an sich wirklich sehr interessant und durch die vielen Ereignisse auch sehr spannend. Einzig der Schluss war für mich unbefriedigend, da ich gern gewusst hätte was es mit der Organisation auf sich hat. Einige Fragen blieben ebenfalls offen und so bin ich etwas unbefriedigt, was meine Lesegenuss angeht.

Fazit: Das Buch „KINDER“ ist zwar relativ spannend und auch für Eltern an machen Stellen gänsehautmachend erzählt, bietet aber auch einige Schwächen, zu viele Zufälle und Ungereimtheiten. Die Geschichte an sich, bzw. die Idee dahinter,  hat mir aber wirklich sehr gut gefallen und hätte für mich gern auch ausführlicher erzählt werden dürfen. Von daher bin ich froh, dass ich das Buch  mitlesen durfte.

Wer gern Thriller liest die ereignisreich sind, aber nicht zu viel hinterfragt, könnte mit dem Buch gut bedient sein. Als Psychothriller würde ich das Buch aber nicht unbedingt einstufen, außer für schreckhafte Eltern.