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Im Gespräch mit Katja Brandis & Hans-Peter Ziemek

Meine lieben Leser, dank Frau Dick von der Verlagsgruppe BELTZ, hatte ich die Möglichkeit den Autoren von „Ruf der Tiefe“ ein paar Fragen zu stellen. Das Buch hatte ich Euch ja bereits hier vorgestellt.

Bevor ich Euch aber das Interview präsentiere, möchte ich Euch kurz die Autoren näher vorstellen, dazu darf ich die Autorenviten des Verlags nutzen. Vielen Dank dafür!

Katja Brandis, geb. 1970, ist seit vielen Jahren begeisterte Taucherin. In den Meeren dieser Welt hat sie unvergessliche Begegnungen mit Haien, Rochen und Delfinen erlebt. An Land arbeitet sie als freie Autorin und hat bereits zahlreiche Abenteuer- und Fantasyromane für Jugendliche veröffentlicht. Sie lebt mit Mann und Sohn in der Nähe von München.

Mehr zu Katja Brandis finden Sie unter http://www.katja-brandis.de.

Für Hans-Peter Ziemek, geb. 1960, ist die Welt unter Wasser nicht nur Passion, sondern auch Forschungsgegenstand: Als Biologe und Professor für Biologiedidaktik an der Universität Gießen arbeitet er mit seinen Stundenten regelmäßig an den Aquarien des Instituts – in denen unter anderem auch ein kleiner, sehr intelligenter Krake lebt …

 


Guten Tag Frau Brandis, guten Tag Herr Prof. Dr. Ziemek,

es freut mich sehr, daß Sie sich die Zeit nehmen, um für meinen Blog & Rezi-Online ein paar Fragen zu Ihrem gemeinsamen Buch „Ruf der Tiefe“ zu beantworten.

Zuerst einmal möchte ich Sie gern fragen, ob Sie beide denn schon einmal getaucht sind?

KB: Schon oft. Tauchen gelernt habe ich als Studentin in einem See in der Nähe von Frankfurt, und ich war damals so entschlossen, meine Ausbildung noch in diesem Herbst abzuschließen, dass ich sogar in vier Grad kaltem Wasser unterwegs war, und das mit einem Nasstauchanzug. Brr! Schöner war es danach, in Ägypten, in Hawaii, auf den Malediven, am Great Barrier Reef und in Thailand zu tauchen. Im Moment komme ich leider nur selten zum Tauchen, mit einem kleinen Kind ist das nicht mehr so leicht zu organisieren.

HPZ: Im Süßwasser, in Seen im Rahmen meiner Doktorarbeit über Wasserpflanzen. Das ist aber schon ein paar Jahre her. Jetzt arbeite ich wissenschaftlich im Wattenmeer. Da sind eher Gummistiefel angesagt.


Frau Brandis, nach meinen Recherchen ist dies das erste Buch von Ihnen über ein wissenschaftliches Thema. Wie sind Sie genau auf dieses Thema gekommen und darauf mit Herrn Prof. Dr. Ziemek zusammen ein Buch zu schreiben?

KB: Nee, ich habe unter einem anderen Namen schon mal zusammen mit einem Physiker ein Jugendsachbuch über Relativitätstheorie und Quantenphysik geschrieben („Café Andromeda“ hieß es). Dabei rauchte mir wirklich oft der Kopf! Über das Meer dagegen hatte ich vorher schon einiges geschrieben, und ich liebe das Meer ja auch sehr, deshalb war es kein großes Problem und eher erfrischend, mich auch noch ins – sehr spannende! – Thema Tiefsee einzuarbeiten. Auslöser für „Ruf der Tiefe“ war, dass der Verlag Beltz & Gelberg einen Zukunftsroman zum Thema Meer suchte und mich angesprochen hat. Ich war natürlich sofort begeistert.

HPZ: Die Idee zum Buch entstand nach einer Tagung über phantastische Literatur im Jahr 2008. Julia Röhlig, unsere Lektorin beim Beltz Verlag, sprach mich nach meinem Vortrag über Zukunftsvisionen in der Meeresforschung an. Ob ich nicht ein interessantes Thema zum Thema Tiefsee wüsste. Leon und seine Krake wurden dann in der darauffolgenden Nacht „geboren“.  Die Lektorin stellte dann den Kontakt mit Katja her und da hat es gleich „gefunkt“ und die Idee zum Roman war geboren.


Wie haben Sie beide sich auf das Buch vorbereitet? Und ist Ihnen die Zusammenarbeit leicht gefallen?

KB: Erst haben wir zusammen Plot und Figuren entwickelt. Einen guten Plot zu finden ist nicht leicht, und ich habe das als etwas mühsam empfunden, wir haben viel gerätselt und diskutiert. Denn schließlich soll das Buch später möglichst spannend sein. Lustiger war es dann, gemeinsam die Figuren zu entwickeln, dafür haben wir uns getroffen und gemeinsam gebrainstormt. Dann konnte ich mit der Recherche loslegen – das bedeutet stapelweise Bücher lesen, Dokus schauen, Wissenschaftler interviewen, vor Ort Tauchboote bestaunen.

Ich fand die Zusammenarbeit mit Hans-Peter sehr angenehm, wir hatten einen guten Draht zueinander und ich bin immer wieder erstaunt, was für ein gutes Gespür für Geschichten er hat. Damit rechnet man bei einem Biologen ja eher nicht!

HPZ:  Wichtig waren direkte Kontakte mit den Profis der Meeresforschung des Institutes für Meereskunde an der Universität Kiel. Daneben haben uns aber ganz viele Kolleginnen und Kollegen unterstützt.

Neben den Gesprächen bestand die Hauptaufgabe im Sammeln und Sichten von Informationen rund um unser Thema.

Da haben Katja und ich uns sehr gut ergänzt und konnten dann bei den Planungstreffen komplette Ideenexplosionen produzieren.

Die Autorin hatte dann natürlich den Hauptjob. Aus all den Informationsfetzen musste ein spannender und schlüssiger Erzählfaden werden. Und das hat Katja hervorragend erledigt. Ich habe in der Zusammenarbeit sehr viel gelernt und denke, jeder von uns beiden konnte sich in dem Projekt verwirklichen.
 

Herr Prof. Dr. Ziemek, Sie sind Biologe, da liegt es nahe solch ein Thema für ein Buch zu wählen. In der Geschichte ist der Protagonist ein Flüssigkeits-Taucher, kann also ohne Atemgerät unter Wasser existieren. Etwas, daß für unsereins wohl nur schwer vorstellbar ist. Wie wahrscheinlich ist es ihrer Einschätzung nach, daß so etwas Wirklichkeit werden könnte? Wäre es überhaupt irgend möglich so einen „Menschen“ zu erschaffen?

HPZ: Das Tauchen mit Hilfe von Flüssigkeiten, in denen Sauerstoff gelöst ist, ist keine Fiction. Entwickelt zum Einsatz im medizinischen Bereich, werden massiv an der Lunge verletzte Patienten mit Perfluorcarbon „beatmet“. Auch zu früh geborene Kinder können mit und durch Flüssigkeiten beatmet werden.

Es wird ebenfalls im militärischen Bereich am Flüssigkeitsatmen unter Wasser gearbeitet.

In den kommenden Jahren wird sich ein stärkeres wirtschaftliches, militärisches oder wissenschaftliches Interesse an der Tiefsee entwickeln. Dann werden relativ bald Kolleginnen und Kollegen von Leon im Meer auch unterhalb von 1.000m Tiefe ganz selbstverständlich leben und arbeiten.

Die Chemikalie kann man heute schon im Handel kaufen. Sie ist noch sehr teuer. Das wird sich aber ändern. Und vielleicht wird unseren Enkeln das Atmen von Flüssigkeiten als selbstverständlicher Vorgang scheinen.

KB: Bei mir dauerte es eine Weile, bis ich mir vorstellen konnte, wie das mit der Flüssigkeitsatmung funktioniert. Am Anfang habe ich ganz naiv angenommen, dass der Taucher dabei Wasser atmen würde. Ein gutes Gefühl hat mir gegeben, unsere „Erfindung“ nochmal mit einem erfahrenen Taucher, der gleichzeitig Arzt in der medizinischen Forschung ist, durchzusprechen – und er fand es keineswegs hirnrissig, was für uns ausgedacht haben, und hat mir noch ein paar wertvolle Tipps gegeben.
 

Die Leser interessiert es sicher, ob Sie öffentliche Lesungen planen, aus dem Sie selbst aus ihrem Buch vorlesen werden. Wenn ja, würden Sie uns verraten wann und wo diese stattfinden werden?

KB: Ja, natürlich lesen wir aus unserem Buch, ich selbst trete sehr gerne auf und finde es toll, die Reaktionen auf den Text „live“ mitzuerleben und Kontakt mit den Lesern zu bekommen. Bei unserer „Ruf der Tiefe“-Lesung lesen wir nicht nur, sondern wir erzählen auch über die Entstehung des Buches, über die Frage „Was ist Wirklichkeit, was ist Fiktion?“ Dazu zeigen wir Bilder, so dass im besten Fall eine ozeanische Atmosphäre entsteht, wie es die Mitarbeiterin des Beltz & Gelberg-Verlages so schön formuliert hat. Die Lesungstermine sind auf der Homepage www.rufdertiefe.de zu finden und auf www.katja-brandis.de

HPZ: Ich arbeite häufig für Kinder im Rahmen von Vorlesungen in Kindertagesstätten und Schulen. „Ruf der Tiefe“ ist auch ein Versuch mit einem jugendgerechten Medium aktuelle naturwissenschaftliche Themen interessant zu vermitteln und auch wieder zum Lesen anzuregen.

Die Lesungen werden daher auch Elemente von Kindervorlesungen enthalten. Experimente, Demonstration von originalen Objekten und verblüffende Phänomene werden den Lesungsteil ergänzen.

Wir werden auch Lehrerinnen und Lehrern zur Behandlung des Themas im Unterricht geben.“


Planen Sie auch weiterhin zusammen an Büchern zu arbeiten oder wird „Ruf der Tiefe“ ihr einziges gemeinsames Werk bleiben? Und wenn nein, gibt es bereits eine weitere Idee zu einem neuen Buch?

KB: Weil die Zusammenarbeit so gut geklappt hat, machen wir als Team „Brandis & Ziemek“ weiter, es wird weitere Romane geben. Aber der Inhalt des neusten Werkes ist natürlich noch streng geheim! Es wird aber wieder ein Near Future-Abenteuer werden.

HPZ: Wir planen weitere gemeinsame Bücher. Schön wäre eine Fortsetzung vom Ruf der Tiefe. Die Geschichte um Leon, Lucy ist noch nicht fertig erzählt.

Aber wir würden auch gerne andere aktuelle Zukunftsthemen aufgreifen. Wir leben beispielsweise in einer Zeit des größten Artensterbens in der Erdgeschichte. Da gäbe es eine Menge Stoff für spannende Geschichten.


Vielen Dank, daß Sie sich die Zeit genommen haben. Wir wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute!

Cornelia Bruno (Rezi-Online)

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