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Im Gespräch mit Jugendbuchautorin

Bettina Belitz

 

Foto: André Weimar 

Am 21. September 1973, einem warmen, sonnigen Spätsommertag, hatte ich es plötzlich sehr eilig und bin deshalb beinahe in einer Heidelberger Bäckerei zur Welt gekommen, da meine Mutter unbedingt noch Zwetschgenkuchen kaufen wollte. Auf dem Weg ins Krankenhaus wurde dann noch eifrig über meinen Namen diskutiert ? und man entschied sich schließlich für Bettina. Nichtsdestotrotz haben meine Eltern diesen Namen nur benutzt, wenn ich wieder etwas Fürchterliches angestellt hatte. Ansonsten war ich zu Hause immer nur die Tina.

Bücher schreiben ? das will ich auch!

Da ich in einem Haus voller Bücher aufwuchs ? beide Eltern Germanisten, der Papa Deutschlehrer, die Mama Deutschlehrerin - , lag es nahe, dass ich mir schon in frühen Jahren dunkle Regentage damit vertrieb, zu lesen, zu lesen und zu lesen, bis ich mit 12 beschloss, selbst Bücher zu schreiben. Und das tat ich dann auch. Ansonsten eher das Übliche: Nach dem Umzug nach Speyer Grundschule, Gymnasium (altsprachlich! puh!), 1993 Abitur, von 1993 bis 2001 Studium der Germanistik und Geschichte ? zunächst auf Lehramt in Mainz, dann Magister in Heidelberg und Mannheim mit medienwissenschaftlichem Schwerpunkt, da ich bereits seit 1996 mit dem Schreiben für die Presse Geld verdiente und mir klar wurde, dass ich das auch in Zukunft tun möchte. 

Lehr- und Wanderjahre für die Tageszeitung 

Ich tingelte also von 1996 bis 2001 als Freie Mitarbeiterin für die Tageszeitung ?Die Rheinpfalz? durch die Lande, vorwiegend für das Ressort Kultur, betreute die Speyerer Jugendseite und absolvierte schließlich von 2001 bis 2003 mein Volontariat. 2001 hab ich irgendwie noch meine Magisterarbeit (Thema: Literaturverfilmung ? ich bastelte aus Kleists ?Penthesilea? ein Drehbuch) und mein Examen dazwischen gequetscht. Von 2003 bis 2005 arbeitete ich als fest angestellte Redakteurin, bis ich mich im Frühjahr 2005 als Freie Journalistin und Texterin für verschiedene Auftraggeber (Tageszeitung; Internetmagazine; Künstler) selbstständig machte. Im Frühjahr 2007 folgte ich schließlich dem Ruf der Wildnis und zog von der Stadt aufs platte Land in den Westerwald. 

Mein Blog und ein kleines Wunder 

2008 entdeckte meine Agentin meinen Blog, auf dem ich Auszüge meiner Bücher vorgestellt hatte, und beschloss nach genauerem Prüfen meiner Manuskripte, mich zu vertreten. So startete ich fünf Wochen nach der Geburt meines Sohnes ins Autorendasein (und ich liebe es). Wenn ich nicht schreibe oder meinen Sohn bespaße, sitze ich auf dem Pferd, misshandle meinen Garten oder stromere durch die Natur ? und beim Reiten kommen mir meistens auch die besten Ideen für meine Bücher. Manchmal auch unter der Dusche. 

 

Das Interview 

 

Liebe Frau Belitz,   

vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen mir und meinen Lesern ein paar Fragen zu beantworten.  

Das mache ich sehr gerne!  

 

Die erste Frage stammt von einer meiner Blogleserinnen, sie hätte gern gewusst: Warum haben Sie angefangen Kinderbücher zu schreiben? Was war Ihr Motiv? 

Ich glaube, ich hatte gar kein Motiv. Ich war zwölf Jahre alt, als ich mein erstes Buch begann, und da war es naheliegend, dass der Held des Buches in meinem Alter war (Tom aus "Sturmsommer", das bei Thienemann erschienen ist und im Laufe der Jahre natürlich einige Male überarbeitet wurde). Ich hatte einfach Spaß am Schreiben und Geschichten erfinden. Das Schreiben war mein liebstes Hobby.  

 

War Ihnen von Anfang an klar, dass Sie Bücher mit Fantasycharakter schreiben wollten?

Nein, überhaupt nicht. Meine beiden Jugendbücher "Sturmsommer" und "Freihändig" sind absolut bodenständig und haben nicht den winzigsten Fantasyfaktor. Das ist das, wo ich schreiberisch herkomme - purer Realismus. So habe ich jahrelang geschrieben und diese Art zu schreiben möchte ich nicht missen. Mit Fantasyelementen zu arbeiten ist aber ebenso reizvoll. Ich betrachte jedoch "Splitterherz" und "Luzie & Leander" nicht als typische Fantasywerke. Mir geht es in erster Linie um die Menschen und unser Hier und Jetzt. Die Fantasyelemente sind vielmehr Vehikel, die das transportieren, was uns Menschen ausmacht. In "Splitterherz" geht es um Liebe, Freundschaft, Gier und die Macht unserer Träume und Fantasien - allesamt menschliche Eigenschaften. Und in "Luzie & Leander" stehen die Wirren der Pubertät im Mittelpunkt. 

 

Was ist Ihr selbsternanntes, von Ihnen geschriebenes Lieblingsbuch? Und warum? 

Ich habe kein Lieblingsbuch unter meinen eigenen Büchern. Mir steht immer das Buch am nächsten, an dem ich gerade schreibe oder arbeite. Allerdings sind "Splitterherz" und der zweite Band "Scherbenmond" in ihrer Tiefe und Wucht (auch seitentechnisch ...)bislang unübertroffen. Sie fordern mich sehr, aber haben dafür auch einen unverrückbar festen Platz in meinem Herzen.  

 

Woher nehmen Sie Ihre Ideen? Haben Ihre Figuren lebende Menschen zum Vorbild oder entspringen sie komplett Ihrer Fantasie? 

Die Ideen entstehen meistens, wenn ich Musik höre, und oft geht mir das bei den Figuren meiner Bücher genauso. Colin ist zum Beispiel das erste Mal vor meinem geistigen Auge erschienen, als ich spätabends vom Reiten über die einsame Landstraße nach Hause fuhr und "Live vor Tomorrow" von Moby hörte - und ich wusste, dass ich über ihn schreiben muss. Natürlich inspirieren mich die Menschen, denen ich begegne, ebenfalls manchmal zu Teilen meiner Geschichten. Doch ich nehme sie nicht als Vorbild für meine Figuren.  

 

Hätten Sie sich jemals erträumen lassen, dass „Splitterherz“ so ein grosser Erfolg wird? 

Ich hätte mir nicht mal erträumen lassen, dass ich überhaupt Verlage für meine Bücher finde. Insofern habe ich bei der Veröffentlichung mit gar nichts gerechnet. Nachdem sich Splitterherz sogar besser verkauft hat als vom Verlag erwartet, ist der Druck natürlich höher geworden. Aber ich versuche mich so wenig wie möglich mit Verkaufszahlen, Rezensionen und Platzierungen zu belasten.  

 

Haben Sie bereits neue Ideen für Bücher und wann können wir Neues von Ihnen erwarten? 

Im Januar erscheinen erst einmal "Scherbenmond", der zweite Band der "Splitterherz"-Trilogie, und der dritte Band aus der "Luzie & Leander"-Reihe. Auch die Kinderbuchreihe "Fiona Spiona" wird weitergeführt. Und ja, es gibt neue Ideen - aber darüber möchte ich noch nichts verraten. Vorerst steht sowieso der dritte Band der "Splitterherz"-Trilogie im Vordergrund, den ich ab Januar schreiben werde. Und auch "Luzie & Leander" wird weiterlaufen; im Moment sitze ich gerade am vierten Band.

 

Luzie & Leander geht mit „verdammt feurig“ in die zweite runde. Wie sind Sie auf die Idee zu dieser Buchreihe gekommen und wie viele Teile wird es davon geben? 

Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, die Idee hatte ich beim Duschen. ;-) Das liegt bereits einige Jahre zurück und ich dachte, es wäre doch nett, die Schutzengel-Idee mal ganz anders aufzuziehen - und zwar mit einem Beschützer, der die Nase gestrichen voll vom Beschützen hat und in Streik tritt. Momentan sind sechs Teile geplant. Luzie und Leander werden also noch einige Abenteuer bestehen und kommen sich dabei auch näher. Serdan, Seppo und Billy spielen in all dem Trubel aber keine zu knappe Rolle. 

 

Angenommen, jemand möchte selbst ein Jugendbuch mit Fantasyelementen schreiben. Was würden Sie ihm raten? Wie soll er sich auf das Buch vorbereiten?

Ob mit oder ohne Fantasyelemente - er sollte vor allem Spaß am Schreiben haben. Das Schreiben an sich, das Aneinanderfügen von Sätzen und Handlungseinheiten, also das pure Handwerk, muss Freude bereiten, sonst hat es keinen Sinn. Ich würde zudem empfehlen, zumindest eine grobe Kapitelplanung zu fixieren, damit man sich nicht in der Geschichte verliert. Eine Geschichte braucht überdies glaubhafte Charaktere und einen vernünftigen Spannungsbogen. Ansonsten gilt: Learning by doing. Nur Übung macht den Meister!

  

Wenn Sie nicht Lesen oder Schreiben, was tun Sie in Ihrer Freizeit am liebsten? 

Ich spiele mit meinem kleinen Sohn - im Idealfall sind wir dabei zu dritt; Mama, Papa, Kind - oder beschäftige mich mit meinem Pferd. Bei einem Ausritt durch die Natur des Westerwaldes kann ich wunderbar abschalten und den Kopf durchlüften. 

 

Das war es auch schon, Ich habe mich sehr gefreut ein Interview mit Ihnen machen zu dürfen und wünsche Ihnen für die Zukunft noch ganz viel Erfolg mit Ihren Büchern. 

Vielen Dank - es war mir ebenfalls eine Freude! ;-)

 

vielen Dank 

©Cornelia Bruno

 

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