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Im Gespräch mit Sandra Rehschuh

Dank einem netten Kontakt von Rezi-Online habe ich heute das Vergnügen Euch eine Autorin vorzustellen, die vielleicht noch nicht jeder viele von Euch kennen dürften. Vor kurzem brachte sie ihr erstes Kinderbuch heraus "Ein Sternlein auf Reisen - in einem Land unter unserem Bett", welches im CODI-Verlag erschienen ist.

Zur Autorin:



Sandra Rehschuh erblickte am 18. Dezember 1984 in Pirna, in der Sächsischen Schweiz, während eines Schneesturmes, das Licht der Welt.
Doch schon nach wenigen Stunden hatte sie das Stadtleben satt und kehrte Pirna den Rücken zu. Ihre neue Heimat lag in einem kleinen Dörfchen namens Cunnersdorf.
Von dort aus reiste sie drei Jahre später weiter. Nur wenige Kilometer entfernt befindet sich das kleine, aber berühmte Städtchen Königstein.

Die Festung Königstein nährte von diesem Moment an ihre Fantasie und so begann sie, zuerst Gestalten zu malen, die in den Wäldchen umher lebten, mit fünf Jahren dann auch Geschichten über diese zu schreiben.
Aber bald hatte das faule Kindergartenleben ein Ende. Der Schuleingang drohte und damit, über kurz oder lang, auch das Versiegen der Ideen.
Anfänglich rebellierte sie noch gegen die Lehrer, die ständig über zu lange Aufsätze schimpften. Jedoch wurde sie dieses Kampfes bald müßig und ergab sich in ihr Schicksal.
Das Schreiben rückte immer weiter in den Hintergrund, andere Dinge wurden wichtiger. Eigentlich nur eine Sache: Die Feuerwehr. Regelmäßig brachte sie ihre Eltern zur Weißglut, wenn sie während des Essens zu einem Feuerwehreinsatz ausrücken musste, oder erst spät von den Übungen heimkehrte.
Einige Jahre später erhielt sie ihren Realschulabschluss, und begab sich, vom Schicksal und Mutter gelenkt, in ein Freiwilliges Soziales Jahr, das sie in einem Krankenhaus absolvierte (ironischer Weise genau in dem, wo sie geboren wurde). Nach diesen zwölf Monaten blieb sie der Klinik treu und schloss ihre Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin ab.
Endlich von der Schule und dem ewigen Lernen befreit, klopfte die Fantasie mit einem harten Hammer an ihre Stirn. So begann sie erneut Geschichten und Gedichte zu schreiben.
2007 erschien ihre erste Kurzgeschichte „Abschied (?)“ in der Zeitschrift „Kurzgeschichten“. Diesem folgten nach und nach weitere Erzählungen, Märchen und ab und an auch ein Gedicht.
2009 beschloss sie, den Weg der Kurzprosa hinter sich zu lassen und ihre eigenen Geschichten zu verfolgen.
Kaum war dieser Entschluss gefasst, fand sich die Möglichkeit, das erste Kinderbuch im CODI- Verlag zu veröffentlichen.
Zwischendurch arbeitet sie noch immer in ihrem erlernten Beruf, nützt aber jede freie Minute zum Schreiben und ist guten Mutes, in Zukunft auch weiter Menschen aus dem Alltag zu entführen.

Das Interview:

Hallo Frau Rehschuh,

ich freue mich sehr, daß ich mit Ihnen ein Interview führen darf.

Aus ihrer Kurzbiografie geht hervor, daß Sie schon als kleines Kind Geschichten erfunden haben. Wie viel kleines Kind steckt noch in Ihnen? Und können Sie sich noch an Ihre erste Geschichte erinnern?

(lacht) Oh ja, mit dem Geschichten erfinden habe ich unzählige Male meine Eltern in den Wahnsinn getrieben (und wahrscheinlich nicht nur sie). In jedem Busch glaubte ich einen Kobold zu sehen und redete mit Bäumen und Felsen. Deren Geschichten erzählte ich sogar wildfremden Menschen mitten auf der Straße. Ich glaube, meine Mutti hätte sich gern das ein oder andere Mal abgewandt, frei nach: Sie gehört nicht zu mir!

Meine ersten Geschichten – sie waren nicht länger als fünf, sechs Sätze – handelten von einheimischen Tieren. Ich schnitt Bilder aus Zeitungen aus, klebte sie in ein selbst gebasteltes Heft und schrieb daneben, was mir einfiel.
Ich meine mich zu erinnern, dass sich die erste niedergeschriebene Geschichte um einen Buntspecht drehte, der seinen Baum vor bösen Zwergen retten wollte.

Zum Leidwesen meiner Familie steckt noch immer ein kleines Kind in mir. Ich wollte nie erwachsen und so verbissen werden, wie viele Erwachsene es sind.
Leider hat es nicht ganz geklappt. Der Ernst des Lebens holt fast jeden irgendwann ein. Aber ich bin nur ernst, wenn ich es sein muss.
Sonst unterhalte ich mich auch weiterhin mit Plüschtieren aus meinen Kindertagen oder halte Ausschau nach Feen und Elfen, wenn ich durch die Natur streife.

Wie kam es dazu, daß Sie Kinderbücher schreiben? Was gefällt Ihnen besonders daran?

Zu Anfang habe ich mich nicht bewusst dafür entschieden. Ein Satz reihte sich an den anderen, die Figuren wurden lebendig und führten meine Hand. Ich war nur ein unbeteiligter Zuschauer, der die Finger zur Verfügung stellte.
Heute bin ich sehr dankbar dafür. Denn ich kann kindliche Geschichten erzählen und keiner hält mich für verrückt. Ich darf also das „Kind-Sein“ ausleben, und meine Figuren aus längst vergangenen Tagen wieder auferstehen lassen.

Von was handelt Ihr Kinderbuch „Ein Sternlein auf Reisen“ und woher kam die Idee über dieses Thema zu schreiben?

„Ein Sternlein auf Reisen“ handelt von dem Monster, das unter den Betten lebt. Viele Kinder entdecken irgendwann einmal ein Monster, sei es im Schrank, oder wie bei dem Jungen Tim, unter dem Bett. Dieses kleine Ungeheuer entführt seinen Papa. Um ihn zu retten, muss er sich in das Land Monstrosias begeben – in das Land, unter dem Bett.
Allein wäre das viel zu gefährlich! Und wahrscheinlich auch viel zu dunkel … So schickt der Mond Tim einen Stern, der ihn begleitet.
Sie reisen an einen Ort, an dem zuvor noch kein Kind gewesen war, reiten in enormer Geschwindigkeit auf einer Schabe, kommen an stinkenden Sockenbergen vorbei und erleben noch einige andere Dinge, die es nur unter einem Bett geben kann.
Sie erreichen auch das Haus des Monsters, aber ob der Vater auch da ist? Ist das Monster gefährlich, oder eher ein kleiner Angsthase?
Hier können sich Kinder, aber auch deren Eltern, überraschen lassen.

Wenn Sie sich in Ihre Kindheit zurück versetzen, hatten Sie auch Angst vor Monstern unter dem Bett?

Jein. Ich habe sehr oft unter dem Bett gespielt. Ich wurde immer von einer Horde Plastik-Dinosaurier und Kuscheltiere beschützt. So konnte mir ja gar nichts geschehen!
Aber abends, da habe ich immer unter das Bett geschaut, ob da das Monster sitzt. Wahrscheinlich hätte ich es zum Spielen eingeladen, hätte es sich einmal blicken lassen.

Sie scheinen mir eine sehr vielschichtige Person/Autorin zu sein, denn sie haben nicht nur einen  Ratgeber mit dem Titel „Sind wir noch normal“, sondern ebenso ein Buch über Katzen „RatzKatz“ geschrieben.  Wie kamen Sie dazu zwei so unterschiedliche und in ihren Arten grundverschiedene Bücher zu schreiben? Was machte Ihnen mehr Freude?

„RatzKatz“ ist eine Herzensangelegenheit von mir. Vor etwa fünf Jahren holte ich eine meiner Katzen aus dem Katzenhaus in Dresden Luga. Irgendwann erfuhr ich, dass es diesem Tierheim sehr, sehr schlecht geht (wie leider sehr vielen Einrichtungen). Einfach nur Geld spenden, erschien mir zu wenig. Ich wollte, dass das Katzenhaus länger in Erinnerung bleibt, sich die Leute vielleicht auch dazu entschließen, die eine oder andere Miez zu adoptieren. So trommelte ich einige befreundete Autoren zusammen und wir erschufen gemeinsam die Anthologie „RatzKatz“, deren Erlös dem Katzenhaus gespendet wird.

„Sind wir noch normal? – Ein Blick in das Jenseits“ ist mehr aus einem Zufall heraus entstanden. Zwei Damen kamen auf Sigrun Holstein und mich zu, und fragten, ob wir ihre Geschichte nicht in eine ordentliche Textform bringen könnten.
Nachdem ich mit Frau Holstein bereits zwei Anthologien herausgebracht hatte, machten wir uns gemeinsam, mit sehr viel Freude, an die Arbeit.
Ich fand das Thema sehr spannend, da ich selbst tagtäglich in meinem Beruf mit dem Sterben konfrontiert werde.

Normalerweise sollte man sich als Autorin sich auf ein Genre festlegen, oder dementsprechend viele Pseudonyme verwenden.
Ich bin sehr unbekannt und nehme mir deshalb die Freiheit heraus, zu schreiben, was ich möchte. Kein Verlag sitzt mir im Nacken der sagt: „Schreib dies oder das.“

Was inspiriert Sie am meisten beim Schreiben?

Ich glaube, da gibt es keine Rangliste. Es kann ein fallendes Blatt im Herbst sein oder eine Krähe, die auf einem Zaun sitzt und vor sich hin krächzt.
Geht man mit offenen Augen durch die Welt, steckt hinter jeder Ecke Inspiration.
Leider fehlt oftmals die Zeit, alles aufzuschreiben, was einem so einfällt.

Was wird es in Zukunft Neues von Ihnen zu lesen geben? Haben Sie bereits Ideen für neue Geschichten?

Für das kommende Jahr ist mindestens ein Buch geplant. Es wird ebenfalls im CODI- Verlag erscheinen, wie mein Kinderbuch.
Allerdings hat es einen ernsteren Hintergrund und ist für Erwachsene gedacht. Es handelt von einem Mann, der nach einem Schlaganfall sein Gedächtnis verloren hat und von seiner Frau misshandelt wird.

Eventuell gibt es auch noch ein zweites Kinderbuch.
Dazu aber mehr, wenn es wirklich spruchreif ist.

Ich danke Ihnen vielmals, daß Sie sich die Zeit genommen haben und wünsche Ihnen für die Zukunft noch viel Erfolg.

Ich habe zu danken, dass ich von Ihnen interviewt wurde!


Wer mehr von der Autorin wissen möchte, der kann sich gern auf ihre Homepage klicken!

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