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Der Krimi "Schneekind" war bisher einer der besten Krimis, die ich bisher von deutschen Autoren lesen durfte. Daher war ich sehr froh, das die Autorin mit ein Interview gegeben hat.

Silke Nowak


Silke Nowak, 1975 in Ravensburg geboren, lebte fast 20 Jahre in Berlin, wo sie 2001 ihren Magister in Literaturwissenschaft und Philosophie an der Freien Universität ablegte. 2005 folgte eine Doktorarbeit in Germanistik. Danach unterrichtete sie Literaturwissenschaft an der FU Berlin und TU Chemnitz, arbeitete als Pressesprecherin und im Bereich der Neuen Medien.


Ihr Debütroman Auserwählt erschien im Juli 2013 bei Amazon, im Dezember 2013 folgte der Krimi Schneekind. Beide Krimis konnten eine große Leserschaft begeistern. Auserwählt schaffte es auf Anhieb in die Top 10 der Berlin-Krimis, Schneekind wurde ein Bestseller bei Amazon.

Mehr Infos findet Ihr auf der Webseite der Autorin!

 

Das Interview


Liebe Silke,
 
vielen Dank, dass Du Dich zu einem Interview bereit erklärt hast. Hast Du heute schon Zeitung gelesen?

Nein. Ich war gerade ein paar Tage auf der Berlinale. Nach so einer „langen“ Trennung gehört dann jede Minute meiner kleinen Tochter. Selbst Zeitung lesen ist da kaum drin („Mama niicht lesen!“).

Aus Deiner Personenbeschreibung auf Deiner Webseite ist zu entnehmen, dass Du angefangen hast Krimis zu schreiben, aufgrund von Zeitungsberichten über Mord, Gewalt etc.
Würdest Du sagen, die Welt wird immer grausamer und was hat Dich darauf gebracht Krimis über ebensolche Dinge zu schreiben?

Meine Geschichtskenntnisse sind (leider) relativ gut. Deshalb glaube ich nicht, dass die Welt grausamer wird. Das war sie schon immer. Aber die mediale Präsenz solcher Ereignisse – gerade auch von privaten Tragödien – ist aufgrund der Neuen Medien intensiver geworden.
Zeitungsberichte sind nicht der Grund, weshalb ich angefangen habe, Krimis zu schreiben, aber es schockiert mich, zu lesen, was alles möglich ist an (zwischen-) menschlichen Abgründen. Vielleicht ist Krimischreiben auch eine Möglichkeit, solche Schocks zu parieren.

Kannst Du Dich noch an den Tag oder die Situation erinnern, wo Du das erste Mal den Stift zu Hand nahmst und begonnen hast mit Deinem ersten Roman „Auserwählt“? Wie war das für Dich?

Schreiben war für mich schon immer selbstverständlich. „Auserwählt“ ist zwar der erste Krimi, den ich publiziert habe, aber in den letzten 20 Jahren haben sich auf meinem Computer mehrere Bücher, viele Kurzgeschichten und hunderte von Gedichten angehäuft. Deshalb kann ich mich an den Tag, an dem ich mit „Auserwählt“ begonnen habe, gar nicht mehr erinnern. Mir macht zwar viel Angst, aber ein leeres Blatt Papier gehört nicht dazu.
Allerdings war der Schreibprozess von „Auserwählt“ dann durchaus etwas Besonderes für mich, weil ich dieses Buch zum ersten Mal in einem überschaubaren Zeitraum „hauptberuflich“ geschrieben habe. Dabei habe ich viel gelernt.

In Deinem Debütroman ist ein Kind der Täter, woher kam die Idee zu diesem Buch?

Der Täter ist, wenn er die Tat begeht, erwachsen. Aber die Gründe, weshalb er sie begeht, liegen in der Kindheit. Die Frage, ob das nicht immer so ist, würde ich mit „Nein“ beantworten.

Hättest Du Dir jemals erträumen lassen, dass „Auserwählt“ auf Anhieb in die Top 100 der internationalen Krimis landet? Wie erklärst Du Dir selbst diesen Erfolg?

Erträumt habe ich es schon. Mit meinem zweiten Krimi („Schneekind“) ist für mich jetzt der Traum Realität geworden, schreibend für meine Existenz sorgen zu können. Erst „Schneekind“ hat es zum Beststeller bei Amazon geschafft. Damit gerechnet habe ich nicht, dafür ist der Markt zu hart umkämpft.
Erfolg ist für mich eine Mischung aus Talent, Leistungsbereitschaft, Glück und Zufall. Ein bisschen von allem kann nicht schaden.

Dein zweiter Krimi „Schneekind“ hat eine Protagonistin, die unter einer seltenen Angststörung leidet. Wie schon in Deinem ersten Buch sind auch hier wieder viele psychologisch, raffinierte Wendungen enthalten. Würdest Du sagen, dass Dein Studium, bzw. Deine Arbeit als Psychologin, es Dir hier einfacher macht, solche Dinge klarer zu sehen und es deshalb für Dich auch einfach ist, sie in die Geschichte einzubauen?

Ich gehöre noch zu der Generation von Studenten, die sich lange und universell an der Freien Universität in Berlin bilden durften. 10 Jahre war die Rost- und Silberlaube – Stammhaus der Geisteswissenschaften der FU - meine Heimat. Damals habe ich auch Vorlesungen in Psychologie besucht, aber am Ende meine Doktorarbeit in Germanistik geschrieben. Ich bin also Literaturwissenschaftlerin, nicht Psychologin, überlege mir aber, noch einen Abschluss in Kriminalpsychologie zu machen. Fachwissen ist auf jeden Fall Grundvoraussetzung fürs Krimischreiben, auch wenn ich es für genauso wichtig halte, zu wissen, wie man schreibt.

Ich hatte ja das Glück in der LovelyBooks-Leserunde für „Schneekind“ dabei zu sein. Welche Eindrücke konntest Du aus dieser Leserunde mitnehmen?

Ich genieße die professionelle und zugleich private Atmosphäre bei LovelyBooks sehr. Die Leserinnen nehmen zwar kein Blatt vor den Mund, aber Kritik bleibt immer sachlich. Das Niveau ist erstaunlich hoch. Zudem habe ich schöne Bekanntschaften geschlossen. Das ist nicht selbstverständlich. Es ist toll.

Deine Krimis spielen immer in und um Berlin, bist Du sehr heimatverbunden? Was ist für Dich das Besondere an Berlin?

Ich habe von 1995 bis 2012 in Berlin gelebt, vor knapp zwei Jahren bin ich aber zurück nach Süddeutschland gezogen, wo wir zurzeit in der Bodenseeregion eine längere Bleibe suchen. Die Geburt meiner Tochter und die Nähe zur Familie waren die Hauptgründe hierfür. Heute habe ich mehrere Heimaten und Berlin gehört definitiv dazu. Für mich war und ist das Aufeinandertreffen von Leuten, die auf der Suche sind und Neues ausprobieren wollen, eine der schönsten und inspirierenden Seiten von Berlin.

Arbeitest Du bereits an einem neuen Buch und falls ja, würdest Du uns ein wenig darüber verraten?

Aktuell schreibe ich an zwei Krimi-Projekten. Ich mache das manchmal so. Irgendwann spürst du dann so einen „Flow“ oder „Drive“ beim Schreiben und erst dann ziehe ich die eine Geschichte (vor der anderen) durch. Zurzeit kribbelt es mich in den Fingern bei diesem Roman: Spielende  lautet der Arbeitstitel, der zugleich die „spielenden“ Protagonisten wie auch das grausame Ende des Spiels bezeichnet. Es geht um einen Investmentbanker, der mit seiner Familie aus London zurück in sein Heimatdorf kehrt, um das Haus seiner Eltern in ein Hotel umzubauen. In diesem Krimi gibt es kaum noch etwas, das feststeht. Er soll im Sommer 2014 erscheinen.

Was macht Silke Nowak in Ihrer Freizeit?

Mein größtes Handicap war schon immer, dass meine Talente breit gestreut sind: Ich male viel (am liebsten in Öl), ich brauche Sport (Joggen, Skifahren, Schwimmen, Pilates), ich tanze für mein Leben gern (Ballett und Tango), würde am liebsten jeden Tag ins Kino gehen (dazu komme ich leider selten), liebe es, gut Essen zu gehen und mit Freunden zusammen zu sein. Seit meine Tochter auf der Welt ist, fallen die „großen“ Abendveranstaltungen aber kleiner aus: Zurzeit liege ich abends meist mit einer Taschenlampe neben ihr im Bett und – lese!

Ich freue mich, schon bald wieder von Dir zu lesen und hoffe, dass Du uns noch mit vielen spannenden Krimis überraschen wirst. Alles Gute für die Zukunft!

© Silke Nowak, Solitary´s Bücherecke, Cornelia Bruno

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